Schöne Medienwelt

Mensch und Medien, Politik und Sex, Klatsch und Bildung: Meine Meinung zu sehr unterschiedlichen Themen.

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Dr. Jörg Zimmermann; Berkersheimer Weg 7; 60433 Frankfurt

Montag, März 20, 2006

Wenn man nur eine Frage hätte

Jeder kennt das: stell Dir vor, eine gute Fee erfüllte Dir drei Wünsche, was würdest Du Dir wünschen.

Das ist schon so oft durchgekaut worden, daß es kaum noch jemanden herausfordert. Natürlich würde man sich als erstes den nötigen Verstand wünschen, um die anderen beiden Wünsche richtig zu verwenden. Sofern man Verstand genug hat, zu verstehen, daß es auf diesen ankommt. Womit sich der Wunsch vielleicht schon wieder erübrigt hätte. Andere wünschen sich je nach Temperament die materiellen Annehmlichkeiten der Welt oder spielen ein wenig Gott, und wünschen sich Weltfrieden und ähnliches.

Andererseits: die Philosophen unter uns wünschen sich drei wirklich schmackhafte Drinks und wenden sich wieder dem realen Leben zu.

Nun gibt es keine Feen und auch Verstand wünschen sich viele Menschen vergebens. Interessanter ist vielleicht folgende Vorstellung: Man hat die Chance, zu einem allwissenden Wesen zu gelangen, das jede präzise eindeutige Frage ebenso präzise und eindeutig beantwortet (also nicht wie das Orakel, das auf die Frage: " Was ist die Bestimmung unseres Sohnes?" die nebulöse Antwort gibt: " Sie liegt in deinen Schuhen..." , worauf der Vater begeistert meint: " Er wird ein großer Fußballspieler." , dieMutter entgegnet: " Nein, er tritt in deine Fußstapfen und wird auch Klempnermeister." Die Großmutter aber schüttelt den Kopf: " Oj, er wird Vertreter für billige Socken." ).

Und nun stelle man sich vor, man hätte nur genau eine Frage, die wichtigste Frage seines Lebens, aber eben nur eine. Was würde man wissen wollen? Das eigene Todesdatum? Wer der zuverlässigste Freund ist? Ob es Gott gibt? Wer Kennedy umgebracht hat? Fragt nicht den Philosophen, er würde wohl wissen wollen, wo es in der Stadt den besten Drink gibt, und sich dann wieder dem realen Leben zuwenden.

Als ich Bekannten diesen Text vorlas, gab es schon bald ein Brainstorming, das ich in folgendem Dialog unterbringe:

A: "Ich würde nach den Lottozahlen der nächsten Woche fragen."

B: "Dann muß man aber hoffen, daß das Wesen nicht auch anderen diese Frage beantwortet, denn auf einige 1000 Menschen aufgeteilt ist auch der schönste Jackpot nicht mehr viel wert. Die Antwort muß exklusiv sein..."

C: "Höflich wie ich bin, würde meine Frage sein: Darf ich Ihnen eine Fragestellen?"

D: "Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts...?"

C: "Eine Frage...ist eine Frage ist eine Frage..."

E: "Will man die Antwort überhaupt wissen? Ich meine, man glaubt, man möchte es wissen. Aber wenn einem die Antwort nicht gefällt, will man es dann immer noch?"

B: "Oft stellt man auch nur Fragen, weil man eine bestimmte Antwort erwartet. Was macht jemand, der fragt, welches der beste Freund ist, und die Antwort ist: >> Du hast keinen einzigen?<<>>Wann wird meine Pechsträhne enden?<<>>Mit deinem baldigen Tod.<<>>Komme ich in den Himmel?<<>>Es gibt keinen.<< Als Kind hat man oft irgend etwas geträumt, was man werden würde, was man tun würde, was möglich wäre. Und dann stellt man eines Tages fest, es ist unmöglich, vielleicht nicht prinzipiell, aber man selbst wird nie ganz die Schwelle überwinden, die noch vor dem eigenen Traum liegt. Und dann konzentriert man sich auf das Erreichbare. Das ist dann das Erwachsenwerden.Ein solches Erwachsenwerden kann in dieser wichtigsten Frage liegen, nämlich, daß man auch die Antwort akzeptiert. Es gibt nämlich viele Menschen, die würden sich Gründe suchen, daß die richtige Antwort trotzdem die falsche ist. Oder sie umdeuten."

D: "Meistens fordert die Antwort gleich eine neue Frage heraus, aber seine eine wichtigste Frage hat man bereits verbraucht. Und wenn der Philosoph nur nach dem Weg zum besten Drink in der Stadt fragt, dann wohl aus derErkenntnis heraus, daß man auch nach tausend Fragen nicht alles wissen wird,was man möchte, vielleicht noch nicht mal das wichtigste, denn die erste Frage wäre wohl: >>Was muß ich eigentlich wirklich dringend wissen und kann es nicht allein herausfinden?<<"

E: "Das wichtigste wäre doch, so zu fragen, daß die Antwort nicht einfach Ja oder Nein ist. Denn meistens steckt das, was man wissen will, in derErläuterung."

D: "Ob ein Mensch klug ist, erkennt man an seinen Antworten. Ob ein Mensch aber weise ist, erkennt man an seinen Fragen. (Nagib Mahfus)"

E: "Wenn du eine weise Antwort verlangst, mußt du vernünftig fragen.(Goethe)"

C: (mit besonders schlauem Gesicht) "Welches ist die letzte Frage, die je ein lebendes Wesen stellen wird?"

B: "Ich denke, es ist wie beim Zeitungslesen: die meisten befragen das Wesen nicht, um etwas nutzbringendes zu erfahren, sondern nur, um sich zu unterhalten und die Zeit totzuschlagen. Die letzte Frage wird übrigens wirklich sein: wo gibt es hier `nen guten Drink? Was sonst kann man am Ende der Welt noch sinnvolles tun?"

A: "Ob die Antwort einem etwas bringt, wird sehr von dem abhängen, der fragt. Auch wenn man von anderen vielleicht gute Antworten bekommen könnte: seinen Weg muß man selbst gehen, und das Verstehen dafür muß aus einem selbst kommen. Es gibt Menschen, bei denen wird alles, was sie anfangen, zu Gold. Und anderen kann man eine Million geben und am Ende des Monats sind sie pleite. Sie fragen, wo etwas ist und man sagt ihnen: >>Da.<<>>Wo denn nun?<<>>Das Teil hier.<<>>Und wo schaltet man das ein?<<>>Ich weiß, daß Dir die Antwort nichts nützen wird, aber sie lautet...<<"

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